Sachsens Spitzenposition in der europäischen Mikroelektronik könnte durch neue Pläne aus Brüssel massiv gestärkt werden. Silicon Saxony, das mit über 700 Mitgliedern größte und mit dem Cluster Management Excellence Label GOLD zertifizierte Halbleiter-Cluster Europas, begrüßt die von der Europäischen Kommission vorgelegte Verordnung zum EU Chips Act 2.0.
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Das Netzwerk warnt jedoch zeitgleich: Die industriepolitische Substanz des Vorschlags hängt maßgeblich von den kommenden Haushaltsverhandlungen und dem politischen Willen der Bundesregierung in Berlin ab.
Die Kernpunkte des EU Chips Act 2.0: Ganzheitlicher Ansatz
Aus Sicht von Silicon Saxony setzt der neue Entwurf an genau den richtigen Stellen an und erweitert den bisherigen Förderrahmen entscheidend:
- Breiterer Förderhorizont: Der sogenannte First-of-a-Kind-Rahmen wird künftig auf Spezialmaterialien, Fertigungsanlagen, Leiterplatten, fortschrittliche Verpackungstechnologien (Advanced Packaging) sowie fertigungsorientiertes Chipdesign ausgeweitet. Auch Ambitionen für Speicherchips sind nun integriert.
- Stärkung der sächsischen Industrie: „Damit wird genau jene Wertschöpfungstiefe in den Fokus gerückt, die Sachsen in den vergangenen drei Jahrzehnten aufgebaut hat“, erklärt Frank Bösenberg, Geschäftsführer von Silicon Saxony.
- „Buy-European“-Komponente im Beschaffungswesen: Für kritische Infrastrukturen sieht die Verordnung (Artikel 30 bis 32) künftig eine Versorgungssicherheitserklärung vor. Diese fordert einen nachweisbaren Anteil inländischer Unternehmen und eine Strategie zur doppelten Beschaffung. Laut Bösenberg ist dies die überfällige Antwort auf die Frage, wie europäische Halbleiter mehr Marktnachfrage (Demand-Pull) generieren können – insbesondere bei geplanten europäischen KI-Gigafactories.
Vorbild Sachsen: Idee der „Europäischen Exzellenzregionen“
Ein weiterer zentraler Punkt des Entwurfs ist die Einführung sogenannter „Europäischer Exzellenzregionen für Halbleiter“. Silicon Saxony sieht darin eine Bestätigung der eigenen Arbeit. Das sächsische Cluster, das durch seine Gold-Zertifizierung der European Secretariat for Cluster Analysis eine hohe internationale Sichtbarkeit genießt, bietet hierbei ausdrücklich seine Expertise an. Die institutionellen Strukturen in Sachsen könnten als Blaupause für den Aufbau weiterer europäischer Halbleiter-Regionen dienen.
Kritik: Fehlende finanzielle Absicherung und Appell an Berlin
Trotz des großen Lobs äußert Silicon Saxony deutliche Kritik an der mangelnden finanziellen Absicherung des Papiers. Dem EU Chips Act 2.0 fehlt bisher eine unmittelbare fiskalische Hinterlegung. Die tatsächliche Finanzierung entscheidet sich erst in den Verhandlungen zum nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR 2028–2034).
Forderung nach Milliarden-Budget: Silicon Saxony unterstützt die Forderung der European Semiconductor Industry Association (ESIA) nach einer eigenständigen Halbleiter-Budgetlinie von mindestens 20 Milliarden Euro im Europäischen Wettbewerbsfonds.
Das Netzwerk sieht nun die Bundesregierung in der Pflicht. Die Halbleiterindustrie müsse eine haushaltspolitische Priorität erhalten, die ihrer geopolitischen Bedeutung entspricht.
Das Fazit des Cluster-Chefs:
„Brüssel hat die Architektur gestellt. Die industrielle Substanz muss jetzt in Berlin, München und Dresden entstehen“, betont Frank Bösenberg. Die nächste Aufgabe bestehe darin, den Chips Act 2.0 mit der bestehenden deutschen Halbleiterstrategie zu synchronisieren. Silicon Saxony kündigte an, den strukturierten Dialog mit den Bundesministerien, der Sächsischen Staatsregierung und europäischen Partnern hierzu aktiv voranzutreiben.
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