Pünktlich zum Internationalen Kindertag am 1. Juni bezieht die Kindernothilfe klar Stellung in der Debatte um die Sicherheit von Minderjährigen im Netz: Die Kinderrechtsorganisation erteilt pauschalen Social-Media-Verboten für bestimmte Altersgruppen eine deutliche Absage. Anstatt den Zugang für junge Menschen zu beschränken, müssten vielmehr die Online-Plattformen selbst in die Pflicht genommen werden, um einen effektiven Schutz zu gewährleisten und gleichzeitig die Rechte der Jugendlichen zu wahren.
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Kindernothilfe-Vorstand Carsten Montag zieht hierzu einen anschaulichen Vergleich aus dem Sport: „Bei Fouls im Fußball werden ja auch nicht die Gefoulten des Platzes verwiesen“.
Rechte beschneiden ist unverhältnismäßig
Der Vorstoß, Altersverbote für soziale Netzwerke einzuführen, steht laut der Organisation im Widerspruch zur UN-Kinderrechtskonvention. Diese garantiert Kindern und Jugendlichen ausdrücklich das Recht auf Teilhabe, Information, Meinungsfreiheit sowie den Zugang zu digitalen Diensten. „Ein Verbot würde all diese Rechte beschneiden“, warnt Montag eindringlich und betont: „Das ist unverhältnismäßig.“
Ein weiteres großes Problem von Verboten sieht die Organisation in der unkontrollierten Abwanderung der Zielgruppe. Es lasse sich kaum verhindern, dass Betroffene auf andere, weniger regulierte Dienste auswichen, wodurch sie potenziell noch größeren Gefahren ausgesetzt wären. Risiken wie Cybergrooming, Cybermobbing oder die Konfrontation mit extremistischen Inhalten seien ohnehin keine reinen Social-Media-Phänomene. Solche Gefährdungen existierten gleichermaßen in Online-Games oder auf Messenger-Diensten.
Forderung nach einem „Social-Media-TÜV“
Als weitaus zielführender erachtet es die Kindernothilfe, die Online-Konzerne direkt zur Verantwortung zu ziehen. Die Vorschläge für konkrete und wirksame Maßnahmen liegen längst auf dem Tisch:
- Eine verpflichtende und datensparsame Altersverifikation.
- Ein Verbot manipulativer und suchtfördernder Praktiken wie beispielsweise Autoplay-Funktionen oder das sogenannte Endlos-Scrollen.
- Die Einführung von verpflichtenden und unabhängigen Risiko-Audits für die Betreiber von Social-Media-Plattformen.
Bemerkenswert ist, dass viele dieser praxisnahen Forderungen von den Kindern und Jugendlichen selbst stammen. Sie verlangen zurecht ein starkes Mitspracherecht, wenn es um die Neugestaltung der digitalen Sicherheitsarchitektur geht.
„Wir brauchen keine Verbote, sondern einen Social-Media-TÜV, der dafür sorgt, dass bestehende Instrumente wie der Digital Services Act der EU konsequent angewendet werden“, stellt Carsten Montag klar.
Blick auf den Sommer: Expertenbericht erwartet
Wichtige Impulse und konkrete Handlungsempfehlungen für die politische Umsetzung erhofft sich der Kindernothilfe-Vorstand von wissenschaftlicher Seite. Für diesen Sommer wird der Bericht der unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ erwartet, der richtungsweisende Pfade für einen modernen und sicheren Digitalraum aufzeigen soll.
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