Dienstag , 18 Juni 2024

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Kartellbehörden prüfen Übernehmen von VMware durch Broadcom

Die Europäische Kommission hat eine eingehende Prüfung eingeleitet, um die geplante Übernahme von VMware durch Broadcom nach der EU-Fusionskontrollverordnung zu untersuchen. Die Kommission befürchtet insbesondere, dass das Vorhaben Broadcom in die Lage versetzen könnte, den Wettbewerb auf dem Markt für bestimmte mit der Software von VMware interoperable Hardwarekomponenten einzuschränken.

Broadcom ist ein Hardware-Unternehmen, das unter anderem Netzwerkkarten (im Folgenden „NICs“), Fibre-Channel-Host-Bus-Adapter (im Folgenden „FC-HBA“) und Speicheradapter anbietet.   Broadcom hat kürzlich damit begonnen, seine Tätigkeit auf Softwaremärkte auszuweiten. VMware ist ein Software-Anbieter, der hauptsächlich Virtualisierungssoftware bereitstellt, die mit einer großen Bandbreite an Hardware, darunter NICs, FC-HBA und Speicheradapter, interoperabel ist. Die Portfolios der Unternehmen ergänzen einander weitgehend.

Vorläufige wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kommission

Die vorläufige Prüfung der Kommission ergab, dass das Vorhaben Broadcom in die Lage versetzen könnte, den Wettbewerb auf dem Markt für NICs, FC-HBA und Speicheradapter einzuschränken, und zwar durch

  1. Beeinträchtigung der Interoperabilität zwischen der Server-Virtualisierungssoftware von VMware und der Hardware von Wettbewerbern zugunsten seiner eigenen Hardware und/oder Ausschluss der Hardware von Wettbewerbern, indem diese daran gehindert werden, die Server-Virtualisierungssoftware von VMware zu nutzen oder indem ihr Zugang zu dieser Software beeinträchtigt wird.

Dies wiederum könnte zu höheren Preisen, geringerer Qualität und weniger Innovation für Geschäftskunden und letztlich auch für die Verbraucher führen.

Darüber hinaus wird die Kommission untersuchen, ob

  • Broadcom die Entwicklung von SmartNICs durch andere Anbieter behindern könnte. Im Jahr 2020 brachte VMware mit den drei SmartNIC-Anbietern NVIDIA, Intel und AMD Pensando das Projekt Monterey auf den Weg. Broadcom könnte die Beteiligung von VMware am Projekt Monterey einschränken, um seine eigenen mit NICs erzielten Einnahmen zu schützen. Dies könnte zum Nachteil der Kunden Innovationen behindern.
  • Broadcom die Virtualisierungssoftware von VMware mit seiner eigenen Software (d. h. Mainframe- und Sicherheitssoftware) bündeln könnte und die Virtualisierungssoftware von VMware möglicherweise nicht mehr als eigenständiges Produkt anbieten würde. Dies würde eine Einschränkung der Auswahl und möglicherweise einen Ausschluss konkurrierender Software-Anbieter vom Markt bewirken.

Das Vorhaben wurde am 15. November 2022 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet. Nun muss die Kommission innerhalb von 90 Arbeitstagen, also spätestens am 11. Mai 2023, einen Beschluss erlassen. Die Einleitung eines eingehenden Prüfverfahrens greift dem Ergebnis der Untersuchung nicht vor.

Unternehmen und Produkte

Broadcom ist ein US-amerikanisches Hardwareunternehmen, das unter anderem NICs, FC-HBA und Speicheradapter herstellt. NICs sind Serverkomponenten, die eine Schnittstelle zwischen dem Server und anderen Rechnern und Geräten eines Netzwerks herstellen. FC-HBA sind Speicheradapter, die Server mit Speichern verbinden, die sich außerhalb des Servers in einem Speichernetz befinden. Dies erfolgt unter Verwendung des Fibre-Channel-Protokolls, in der Regel über einen Schalter. Speicheradapter verbinden die Zentraleinheiten (CPUs) der Server direkt mit dem Speicher. Broadcom hat kürzlich begonnen, seine Tätigkeit auf Softwaremärkte auszuweiten, insbesondere durch die Übernahme von CA Technology und Symantec.

VMware ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen, das hauptsächlich Virtualisierungssoftware anbietet, die es IT-Betreibern ermöglicht, virtuelle Versionen von Computerressourcen (z. B. Hardware, Betriebssystemen („OS“), Speichermedien oder Netzwerkressourcen) zu erstellen, die als virtuelle Maschinen bezeichnet werden. Dies versetzt IT-Organisationen in die Lage, gleichzeitig mehr als ein virtuelles System – und mehrere Betriebssysteme und Anwendungen – auf einem einzigen Server zu betreiben.  

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Neben dem Verfahren zum vorliegenden Zusammenschluss laufen derzeit sechs weitere eingehende Prüfverfahren. Diese betreffen i) die geplante Übernahme von OMV Slovenija durch MOL, ii) die geplante Übernahme von VOO und Brutélé durch Orange, iii) die geplante Übernahme von Alumetal durch Hydro, iv) die geplante Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft, v) die geplante Übernahme von eTraveli durch Booking und vi) die geplante Übernahme von Lagardère durch Vivendi.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.10806 veröffentlicht.

Quelle

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