Sonntag , 4 Dezember 2022

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Eltern entscheiden was Kinder auf Youtube sehen dürfen
Eltern entscheiden was Kinder unter 13 Jahren auf Youtube sehen dürfen (© Syda Productions - Fotolia.com)

ESET: Studie zur Cybersicherheit von Kindern veröffentlicht

Knapp 90 Prozent der Eltern sorgen sich, wenn ihr Nachwuchs im Internet surft. Cyber-Mobbing und sexuelle Belästigung bereiten mehr als ein Drittel der Eltern schlaflose Nächte. Dennoch darf sich mehr als die Hälfte des Nachwuchs unbeaufsichtigt im Netz bewegen. Und mehr als Drittel davon verbringt im Durchschnitt bereits bis zu zwei Stunden online am Tag. Das sind unter anderem die Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Studie im Auftrag des IT-Sicherheitsherstellers ESET, für die mehr als 1.000 Eltern mit Kindern bis zu 18 Jahren befragt wurden.

Kinder kommen immer früher mit digitalen Geräten in Kontakt

Laut Umfrage besitzen fast 60 Prozent der Kinder ein eigenes Smartphone oder Tablet. Dass sie immer früher mit digitalen Medien in Kontakt kommen, zeigt auch die Auswertung: Bereits knapp ein Viertel der Kleinen unter vier Jahren sind mit einem mobilen Gerät ausgestattet, bei den Vier- bis Siebenjährigen sind es schon über die Hälfte, bei den Acht- bis Elfjährigen sogar 74 Prozent. Bei den Teenagern besitzt fast jeder (91%) ein Smartphone oder Tablet.

„Digitale Medien und Geräte sind für Kinder zu einem zweiten Spielplatz geworden. Selbst die Kleinsten schauen schon auf dem Smartphone oder Tablet ihrer Eltern Videos, klicken, tippen und wischen auf dem Smartphone, als wäre es das Normalste der Welt“, erklärt Ildikó Bruhns, ESET Projektleiterin von Saferkidsonline. „Dass der Nachwuchs dabei eine natürliche Neugier für Internet und Geräte entwickelt, ist wenig überraschend. Umso entscheidender ist es, dass sie frühzeitig lernen, verantwortungs- und sinnvoll damit umzugehen.“

Ländervergleich: Die größten Sorgen der Eltern sind Cyber-Mobbing und -Grooming

Fast alle Mütter und Väter (90%) sorgen sich, wenn Ihr Nachwuchs im Internet unterwegs ist. Etwa ein Drittel der Eltern geben an, dass ihnen Mobbing und sexuelle Belästigung im Netz am meisten schlaflose Nächte bereiten, insbesondere bei den 12- bis 14-Jährigen (37%). Die größte Sorge haben bei diesem Thema mit 46 Prozent vor allem Mütter und Väter aus Hessen, gefolgt von den Hamburgern (41%).

Ein Viertel der Befragten zeigen sich beunruhigt über nicht-kindgerechte Inhalte, am meisten bei Kindern zwischen vier und sieben. Dieses Problem beschäftigt vor allem Eltern aus dem Saarland (40%) und Rheinland-Pfalz (32%). Jeder Siebte macht sich Gedanken über Kontakt zu Fremden im Internet, vor allem in den Bundesländern Sachsen-Anhalt (23%) und Bremen (21%).

65 Prozent der Eltern geben allerdings an, dass ihr Nachwuchs ihres Wissens nach keine schlechten Erfahrungen im Netz gemacht haben. Nur jedes sechste Kind ist auf ungeeignete Inhalte gestoßen, dies betrifft alle Altersgruppen etwa gleich. Jedes neunte Kind hat schon einmal unerlaubte In-App-Käufe getätigt, vor allem unter den 12- bis 17-Jährigen. Sieben Prozent der Kinder sind belästigt oder gemobbt worden oder haben sich einen Computervirus eingefangen. Fünf Prozent sind auf eine Betrugs-E-Mail hereingefallen.

YouTube, WhatsApp und Instagram gehören zu den Top 3 Apps

Soziale Medien bestimmen den Alltag der Kids: Vor allem die Videoplattform YouTube steht vor allem bei den Acht- bis Elfjährigen (68%) hoch im Kurs. Bei den Teenagern (15 bis 17 Jahre) nimmt die Nutzung eher ab. Letztere bevorzugen eher den Messenger-Dienst WhatsApp, der auf Platz zwei (61%) rangiert. In dieser Altersgruppe und bei den 12- bis 14-Jährigen nutzen gut die Hälfte und damit am dritthäufigsten TikTok. Aber auch schon jedes neunte Kind unter vier Jahren und ein Viertel der Acht- bis Elfjährigen hat die angesagt Kurzvideo-App auf dem Schirm.

Auf Platz vier rangiert Instagram mit 26 Prozent, gefolgt von Gaming-Apps, worauf am meisten ein Viertel der Acht- bis Elfjährigen setzen. Vor allem die Thüringer haben mit 40 Prozent die größte Schwäche für Online-Spiele.

Schon die Jüngsten surfen länger und (teilweise) allein

Bis zu zwei Stunden am Tag nutzen etwa ein Drittel der Kids ihre Geräte, mit Abstand die Thüringer mit 56 Prozent. Am meisten Zeit verbringen die 12- bis 14-Jährigen (39%) und die Acht- bis Elfjährigen (36%) vor einem Bildschirm. Doch auch der Anteil der unter Vierjährigen ist mit mehr als einem Drittel schon recht hoch. Auch etwa ein Fünftel der Kinder nutzen ihre Geräte bis zu drei Stunden täglich, insbesondere der Nachwuchs in Sachsen-Anhalt (41%) und Schleswig-Holstein (39%).

Beunruhigend ist, dass fast die Hälfte der Kinder ihre Zeit unbeaufsichtigt im Internet verbringt, bei den Vier- bis Siebenjährigen und Acht- bis Elfjährigen sind das etwa jeweils ein Viertel. Selbst bei den Kleinsten surft schon jedes siebte Kind ohne elterliche Kontrolle. Teilweise bewacht browst fast die Hälfte der unter Vierjährigen im Netz, dies gilt auch für die 12- bis 14-Jährigen. Bei den Acht- bis Elfjährigen sind es sogar 57 Prozent. Nur jedes sechste Kind darf digitale Geräte nicht täglich nutzen.

Über die Umfrage

Die verwendeten Daten beruhen auf einer repräsentativen Online-Umfrage, die YouGov im Auftrag der ESET Deutschland durchgeführt hat. Deutschlandweit haben hierfür im August/September 2022 1030 Eltern teilgenommen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für Familien mit Kindern unter 18 Jahren.

Die ESET Studie “ Kinder im Netz“ können Sie unter folgender E-Mail-Adresse anfragen: saferkidsonline@eset.de

Quelle

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